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Warum Verheiratete Frauen Fremdgehen
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Nur ein harmloser Satz auf dem Anrufbeantworter. Statistisch gesehen gehen sogar mehr Frauen fremd.

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Nicht nur Männer, auch Frauen gehen fremd. Sie reden nur seltener darüber und werden oft mehr dafür verurteilt, hat unsere Autorin Lisa Frieda Cossham bei ihrer Recherche herausgefunden. Höchste Zeit, mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen.

Seinen Namen erwähnt sie nicht, Liebhaber nennt Jette Name und nähere Angaben wurden geändert ihn. Kennengelernt hat sie ihn auf einem Bauernmarkt in Frankfurt, auf dem sie Blumen verkauft. Sie fühlte sich sofort von ihm angezogen. Sie mag, wie er von seinen erwachsenen Kindern erzählt, Jette hat keine. Irgendwann haben sie Tee zusammen getrunken, weil es zu früh war für Wein, mittags, und Jette war vor Glück so beschwipst, als hätte sie bereits getrunken. Ziemlich bald wollte sie mehr Zeit mit diesem Mann verbringen, nicht nur halbe Tage, auch Nächte.

Sie mietete sich ein Zimmer Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Jette ist schon lange verheiratet, und weil sie eine eigenständige Jette bleiben will, so erklärt sie sich das, hält sie an Zimmer und Liebhaber fest, obwohl sie jetzt häufig lügen muss.

Untreue frauen handeln geschickter

Zu spät kommt und früher aufbricht. Vielleicht ahnt ihr Mann etwas, aber nichts hält die kleine Frau mit den wettergegerbten Händen und dem lockigen Haar davon ab, ihren Liebhaber zu sehen. Jette ist 45 und hätte ihr jemand erzählt, dass es sie noch einmal so erwischen würde, sie hätte es als Scherz abgetan.

Dann hat sie es zugelassen. Diese Affäre ist keine Flucht aus dem Unglück, nichts, wofür sie sich schämen will. Aber auch nichts, worauf sie stolz ist. Dass Frauen Interesse an verschiedenen Männern haben, ist keinesfalls eine Erscheinung der Moderne, glaubt man den Recherchen der Anthropo Wednesday Martin, die sie für ihr Buch "Untrue" zusammengetragen hat. Erst als Besitz wichtig wurde, als Häuser und Felder zu bewirtschaften waren, sei die Freiheit der Frauen eingeschränkt worden: Ihr Platz war dann im Haus.

Die Zahlen belegen, wir Frauen haben sexuelle Bedürfnisse auch abseits der Partnerschaft und wir trauen uns zunehmend, auf diese Bedürfnisse einzugehen.

Seit ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen ihren Partner betrügen, um 40 Prozent gestiegen. Amerikanischen und englischen Studien zufolge verlieren wir in den ersten drei Beziehungsjahren schneller das sexuelle Interesse am Partner als umgekehrt. Sie reden nur seltener darüber, haben Wednesday Martin und die belgische Psychotherapeutin und Bestsellerautorin Esther Perel herausgefunden. Zeit also, genauer hinzusehen und mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen.

Anders als behauptet ist die Monogamie nichts, das der weiblichen Biologie zuzuschreiben wäre. Sie ist ein soziales Konstrukt, das jahrhundertelang praktisch war für die Festigung patriarchaler Strukturen. Ein Konstrukt, das nur mehr schwer aufrechtzuerhalten ist, das zeigt das Interesse an den neueren Forschungen zur Untreue.

Das zeigt unsere Neugier, was offene Beziehungen, polyamore Lebenskonzepte, Patchwork angeht.

Frauen sind schon immer fremdgegangen

Gleichzeitig sehnen wir uns nach dem einen für immer, nach lebenslanger Verbindlichkeit. Dass wir Fremdgehen schärfer verurteilen denn je, obwohl wir uns unserer eigenen Sehnsüchte immer bewusster werden. Vielleicht, so erklärt es Esther Perel in ihrem Buch "Die Macht der Affäre", sei die Intimität in der Ehe das Gegengift für die zunehmende Vereinzelung in unserem Leben geworden, vielleicht verteidigten wir sie deshalb so vehement.

Vielleicht aber fehlt uns auch eine neue Kommunikation darüber, was wir unter einer gelungenen Beziehung verstehen. Wenn wir einen Menschen kennen und lieben lernen, so klären wir, ob wir eine Familie gründen, auf dem Land oder in der Stadt wohnen wollen und welche Kindheitstraumata wir verarbeiten.

Wir klären nicht, was wir unter Treue verstehen, was unter Loyalität. In einer Gesellschaft mit neuen Beziehungsformen und einem sich wandelnden Beziehungsverständnis ist das wichtiger denn je.

Jette hat noch nie mit ihrem Mann über Treue diskutiert. Über Seitensprünge schon. Nicht über ihre eigenen, aber die im Freundeskreis. Meist waren es Männer, die fremdgingen. Sie sind betrunken abgestürzt, suchten Trost in einer schwierigen Phase oder erlagen ihrem Trieb.

Warum sehe ich safaritoursnamibia.com nicht?

Bei Jette scheinen die Gründe andere zu sein, weniger zufällig. Sie würde einer Freundin davon erzählen, wären da nicht die Scham und das Gefühl, eine schlimmere Verräterin zu sein als die Männer, denen "so etwas passiert".

Es ist schlicht so: Das Fremdgehen von Männern hat eine längere Tradition, ist ein vertrautes Verhaltensmuster. Frauen aber stecken auch heute immer noch fest in alten Geschlechterrollen. Obwohl es ihnen, zumindest in der westlichen Welt, möglich ist, ihre Sexualität freier als früher auszuleben. Weil sie finanziell unabhängiger sind und keine Angst mehr haben müssen, im Scheidungsfall ihre Kinder zu verlieren. Trotzdem: Das problematische Image weiblicher Untreue hält sich hartnäckig.

Als Schauspielerin Kristen Stewart eine Affäre mit dem verheirateten Regisseur Rupert Sanders einging, wurde nicht er, sondern sie verurteilt. Sie entschuldigte sich öffentlich für diesen Fehltritt, genauso wie die Quandt-Erbin Susanne Klatten, die auf einen Gigolo hereingefallen und dann von ihm erpresst worden war. Unerhört schien diese Affäre, das peinliche Ende eine gerechte Strafe. Es wird zwar heute ein gleichberechtigtes Begehren propagiert. Aber es wird nicht gleichberechtigt beurteilt.

Warum frauen anders fremdgehen als männer

Männererklärer Michael Nast: Was reizt Männer am Fremdgehen? Dass wir die Affäre an sich weniger bewerten sollten, fordert Esther Perel. Sie sieht im Seitensprung eine Einladung, sich mit den eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Sich selbst besser kennenzulernen und herauszufinden, welche Wünsche einen dazu veranlasst haben, Grenzen zu überschreiten, für die man sich selbst einmal entschieden hatte.

Unsere Erwartungen an Partner sind hoch. Wir müssen einander enttäuschen, früher oder später, und das macht uns anfällig für Affären. Niemand kann dem anderen alles sein und so ist der Liebhaber vielleicht einfach nur der gesuchte andere, der eine unserer Sehnsüchte stillt. Viele Affären gleichen einen Mangel aus: Es geht um Einsamkeit, um fehlende Aufmerksamkeit, um ein eingeschlafenes Sexualleben. Wenn man eine Affäre eingehe, sagt die Münchner Paar- und Sexualtherapeutin Beatrice Wagner, vermisse man etwas in seiner Beziehung.

Was, gelte es herauszufinden. Verschwiegene Gefühle legten sich auf die Seele, erklärt sie, und das mache unfrei. Meist wollen die Fremdgehenden nicht den Partner, sondern ihr altes Selbst verlassen, so sieht es auch Esther Perel.

Laut ihr wollen Frauen dann weder Mutter noch Ehefrau sein, sondern eine begehrte Frau mit einem Geheimnis. Obwohl Jette an manchen Tagen ein schlechtes Gewissen hat wegen der Lügen, nicht wegen des Sexes, überwiegt die Freude. Heimlichkeit ist neben erotischer Spannung und emotionaler Beteiligung der Kern einer jeden Affäre, sie kann ein Gefühl der Autonomie auslösen, als würde man sich seiner eigenen Geschichte bemächtigen.

In dem Moment, in dem man ein Risiko eingeht, um aktiv seine Bedürfnisse zu befriedigen, ist man sich selbst besonders nah.

Studie: wann gehen frauen am häufigsten fremd?

Jette sagt, dass sie sich lebendiger fühle, seit sie ihren Liebhaber treffe. Die Gespräche und der Sex bewirkten, dass sie sich erkannt fühle, in ihrer Art bestätigt und angenommen. Zu ihr kommen jene, die nicht mehr weiterwissen, die Listen mit Pro und Contra führen, um sich aus der inneren Zerrissenheit zu befreien. Dass man mehrere Menschen gleichzeitig lieben kann, mag wahr sein, aber den Alltag überstehen diese Lieben nur schwer, hat Wagner beobachtet. Sie fragt: Ist es nicht auch ein Akt der Selbstbestimmung, einer Verliebtheit nicht nachzugeben?

Eine Anziehung wahrzunehmen und sich dafür zu entscheiden, dem Partner treu zu bleiben?

Sexueller frust führt zur untreue

Das begünstige eine neue Nähe zum Partner, lasse die Beziehung reifen, erklärt die Therapeutin. Sie rät, nur so weit zu gehen, dass man das, was passiert sei, dem Partner erzählen könne: Nicht jede Fantasie, nicht jede Minutenverliebtheit, aber das, was einen ernsthaft beschäftige. Auf diese Weise würden belastende Heimlichkeiten vermieden und eine wirkliche Intimität könne entstehen, auch auf geistiger Ebene. Der aufgedeckte oder gestandene Betrug ist der häufigste Trennungsgrund für Paare.

Oftmals hat der Betrogene das Gefühl, ein Stück seiner Geschichte beraubt zu werden: Die Erinnerung verzerrt, wenn er erfährt, dass der Partner an jenem Tag nicht länger arbeitete, sondern liebte. Dass er oder sie log, sich zurechtmachte, sich jemand anderem hingab. Psychotherapeutin Esther Perel nennt die offengelegte Affäre ein "akutes Trauma", einen Einschnitt in die Beziehungsgeschichte, der sowohl die Identität der Betrogenen als auch die der Betrügenden infrage stellt.

Ein Geständnis kann heilsam sein. Manchmal, aber ist es auch klüger, die Situation mit sich selbst auszumachen und sich zu fragen: Was sind die erhofften Folgen eines Geständnisses: Erleichterung? Ein Neustart? Jette hat sich entschieden, ihrem Mann nichts von ihrer Situation zu erzählen.

Gründe, warum frauen fremdgehen

Sie will ihn nicht verlassen, ihn nicht verlieren. Sie sagt ihm, dass sie Zeit für sich brauche, wenn sie wieder für ein paar Tage wegfährt. Was sie eigentlich brauchte, bevor sie sich neu verliebte, hat sie versäumt auszusprechen — und vielleicht hätte sie es gar nicht benennen können.

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